Radfahrerverein Germania Delitzsch e.V

 

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 Bericht aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.08.2013 / Lokalteil Delitzsch-Eilenburger

Altmeister braucht noch keine Schwimmflügel

Doppelsieg für Team Ur-Krostitzer Univega /
Wernicke mit erfolgreichem Triathlon-Ausflug

Delitzsch. Der Abgang von Co-Sponsor und Radlieferant Univega (wir berichteten) macht den Radfahrern des Teams Ur-Krostitzer Univega Delitzsch offensichtlich Beine. In Osterweddingen fuhr die Mannschaft zum Doppelsieg durch Eric Baumann und Alexander Tiedtke. Derweil soll der Vertrag mit dem neuen Ausrüster in den nächsten Tagen unterschrieben werden.
UKU-Sprintspezi und Gute-Laune-Bär Baumann kommentierte seinen Triumph gewohnt spitz: "Wenn Renzo eine Ansage macht, müssen wir entsprechend reagieren." Renzo heißt mit Nachnamen Wernicke und ist Teamchef am Lober. Der Boss schultert inzwischen auch schon 40 Jahre und mit dem Alter wächst bekanntlich die Ungeduld. Fünf sieglose Wochen peinigten die erfolgsverwöhnte Seele, die sich nun endlich wieder am süßen Duft des Sieges berauschen konnte. Keine 24 Stunden später ließ Baumann in Zwenkau noch einen zweiten Platz vom Stapel und bewies damit aufs Neue, dass wir "in Deutschland im Amateurbereich weit, weit vorne sind", wie Wernicke erklärte. Für den vielleicht größten Coup aber sorgte der Altmeister selbst.
Fast den gesamten Sommer über konnte er kaum trainieren, plagte sich mit Pfeifferschem Drüsenfieber. Eine Krankheit, die manch andere Sportlerlaufbahn schon beendet hat, scheint für Wernicke Sprungbrett zu einer ganz neuen Karriere zu sein. Seit kurzem spult er wieder sein übliches Pensum ab und scheint seiner Bestform schon wieder sehr nahe zu kommen, wie ein Ausflug ins Triathlon-Metier zeigte. Wernicke half einer befreundeten Mannschaft aus Dessau bei einem Landesliga-Wettkampf in Löderburg - und gewann sensationell in seiner Altersklasse.

Wildert auf seine alten Tage in fremdem Revier.
Neu-Triathlet Wernicke (Mitte).

Foto: privat

Dabei hatte der Oldie vorher reichlich Spott der Kollegen ertragen müssen, die empfahlen ihrem Chef doch besser vorher genügend Schwimmringe und -reifen anzulegen. Doch dafür lief es im Wasser ganz ordentlich, obwohl sich der Zartbesaitete hinterher wunderte: "Wie die da alle losstürmen, ohne Rücksicht auf Verluste, selbst die Frauen knallen dir den Ellenbogen ins Gesicht." Jaja, das sind sie, die hässlichen Seiten der Emanzipation ...
Als Gesamt-30. stieg der Delitzscher Poseidon aus dem Wasser und schwang sich auf sein bevorzugtes Arbeitsgerät, flog förmlich über die 20-km-Strecke, kassierte einen Kontrahenten nach dem anderen. "Ich bin durchweg am Anschlag gefahren. Die dachten wahrscheinlich, da überholt sie ein Moped", sagte Wernicke. Den abschließenden 5-km-Lauf ging er als Dritter an und überquerte die Ziellinie schließlich als Fünfter der Gesamtwertung, das reichte für den Altersklassen-Sieg. "Vielleicht sollte ich mir durch den Kopf gehen lassen, ob ich nicht doch was anderes mache", witzelte Wernicke. "Es war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung."
An diesem Wochenende aber verzichtet er wieder auf die übrigen zwei Disziplinen und widmet sich voll und ganz dem geliebten Rennrad. Am Sonnabend starten er und die übrigen Ur-Krostitzer-Univega-Jungs beim 4. Radkriterium Niederfrohna, Sonntag steht der 57. Westsachsenklassiker Rund um den Sachsenring im Kalender. Beide Rennen gewann im Vorjahr UKU-Waffe Stefan Gaebel.
Johannes David