Radfahrerverein Germania Delitzsch e.V

 

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 Bericht aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.05.2014 / Lokalteil Delitzsch-Eilenburger

Der alte Mann steigt vom Rad

Renzo Wernicke beendet überraschend Karriere /
Team Ur-Krostitzer Giant in Dänemark ohne Chance

Delitzsch. Mit leeren Händen und kaputtem Bus sind die Radfahrer des Teams Ur-Krostitzer Giant von ihrem dreitägigen Betriebsausflugs aus Dänemark zurückgekehrt. Mehr als ein 11. Platz für Eric Baumann war nicht drin. Derweil hat Renzo Wernicke nach seinem Podestplatz in Wittenberg völlig unerwartet seine Karriere beendet. Achja, zwei Landesmeistertitel hat die Mannschaft nebenbei auch noch eingefahren. Aber das ist ja inzwischen beinahe selbstverständlich.
Von Johannes David

Abschied von der großen Bühne: Renzo Wernicke feiert in Wittenberg mit John Degenkolb und Rick Zabel auf dem Podest (von rechts).Foto: privat

Wernicke, inzwischen gut gereifte 41, wählte die größtmögliche Bühne und lieferte noch einmal einen ebensolchen Auftritt ab. Als er nach den nicht ganz unbekannten Profis John Degenkolb und Rick Zabel in Wittenberg über die Ziellinie schoss, wusste nur seine Familie, dass er endgültig vom Rad steigt. "Es war ein schöner Abschluss. Alles ist gut", sagte Wernicke anschließend. Keine Spur von Wehmut in der Stimme, vielmehr Stolz im fast schon biblischen Radsportalter mit den deutschen Toptalenten mitgehalten zu haben.
Obwohl die Mannschaft vorher nicht eingeweiht war, fuhr sie für den Teamchef, brachte ihn mustergültig in der Spitzengruppe unter. Aus der heraus attackierte Degenkolb. Nur Zabel junior und Oldie Wernicke konnten folgen. Auf einen Sprint mit dem jungen Gemüse wollte sich der Routinier freilich nicht einlassen, suchte sein Heil und den Sieg kurz vorm Finale in der Flucht. Den Platz ganz oben auf dem Podest gaben die Beine dann aber doch nicht mehr her. "Am Ende war kein Tropfen Sprit mehr im Tank", bekannte Wernicke.
Jetzt will sich der Frührentner ganz seinen Aufgaben als Teamchef, Familienvater, Firmenchef et ceterea widmen. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr hohe Ansprüche an mich selbst stelle. Ich habe so viele Baustellen, da muss man irgendwann, irgendwo mal kürzer treten", sagt Wernicke. Irgendwann, irgendwo musste der verletzungsgeplagte Ex-Profi den Radsport hinter sich lassen. Es ist übrigens schon sein zweiter Rücktritt nach 2010. Damals hielt er es nur ein paar Wochen im Ruhestand aus. Wohl auch deswegen bleibt ein kleines Hintertürchen geöffnet. In einigen Jahren, wenn ihn der Hafer sticht, ist ein Comeback bei den Masters (Ü40) nicht auszuschließen.
Noch ein Weilchen in der Elite mitmischen dürfte dagegen Kapitän Eric Baumann (34). Obwohl er und seine Kollegen in Dänemark gerade wenig zu bestellen hatten. "Männerrennen mit einer wahnsinnigen Besetzung", nennt Baumann die kurze Rundfahrt über drei Etappen. Mehr als die Plätze elf für den Capitano, 18 (Matthias Friedemann) und 21 (Jacob Fiedler) waren angesichts internationaler Top-Konkurrenz nicht drin. Zu allem Überfluss streikte auf der Rückfahrt auch noch der Team-Kleinbus. Baumann und der Sportliche Leiter Steffen Radochla mussten ihren Aufenthalt im Norden unfreiwillig verlängern. Der Rest der Truppe kam mit PKWs nach Hause.
In Mitteldeutschland dagegen sind die Jungs vom Team Ur-Krostitzer Giant nahezu unantastbar. Da holte sich Bergfloh Johannes Heider in Waldenburg zum dritten Mal hintereinander den Sachsenmeistertitel vor den Kollegen Mathias Wiele und Erik Mohs. Henner Rödel stülpte sich zur gleichen Zeit das Trikot des Sachsen-Anhalt-Meisters über. Angesichts dieser Ergebnisse verzichtete Wernicke auf Subjekt - Prädikat - Objekt, beließ es beim treffend schlichten "Hammer". Der Teamchef wird sich daran gewöhnen müssen, die Dinge von Außen zu beurteilen.