Radfahrerverein Germania Delitzsch e.V

 

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 Bericht aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.06.2014 / Lokalteil Delitzsch-Eilenburger

Rad-Rendezvous mit den Stars

Bei der Deutschen Meisterschaft im Straßenrennen
will Eric Baumann vom Team Ur-Krostitzer Giant ein Wörtchen mitreden

Von Johannes David
Delitzsch/Baunatal. Radsport-Superstar André Greipel hat sich gestern ganz vorsichtig nach dem werten Befinden erkundigt, bei seinem Kumpel Eric Baumann vorgefühlt, wie er denn so drauf ist. Vor der Deutschen Meisterschaft im Straßenrennen am Sonntag in Baunatal scheint der Profi und amtierende Titelträger dem Amateur vom Team Ur-Krostitzer Giant einiges zuzutrauen. Oder war das nur eine Höflichkeits-Floskel unter Freunden? "Vielleicht will er auch, dass ich ihn ein bisschen unterstütze", sagt Baumann. Aber das fällt aus, denn EB plant selbst Großtaten: "Ich hab' auf einem ähnlichen Kurs in der Nähe mal ein Rennen gewonnen. Wenn ich in der richtigen Gruppe drin bin, kriegt mich so leicht keiner da raus."

Angesichts des riesigen Starterfelds dürfte es bei der Deutschen Meisterschaft
am Sonntag ähnlich unübersichtlich zugehen. Foto: dpa

Den Optimismus seines Kapitäns teilt Teamchef Renzo Wernicke irgendwie nicht so ganz: "Für uns geht es eigentlich nur ums Überleben, wenn man es realistisch sieht." Fehlt Baumann also der Blick fürs wirkliche wahre Radfahrer-Leben? Ohnehin lässt sich beim 34-Jährigen manchmal schwer unterscheiden zwischen ernst gemeinter Antwort oder witzig-beschwingter Übertreibung. Ein Spruch fällt auf jeden Fall in letztgenannte Kategorie: "Falls ich am Sonntag nicht gleich zu erreichen bin, bin ich mit der Siegerehrung beschäftigt. Und mit den ganzen Profiteams, die mich wieder verpflichten wollen." Wegen seines Humors zählte der gebürtige Rostocker schon zu Profizeiten (unter anderem bei T-Mobile und Netapp) zu den beliebtesten Fahrern im Peloton. Am Sonntag kann er auf die Unterstützung seiner Mannschaftskollegen Stefan Gaebel, Matthias Friedemann und Johannes Heider setzen. So es denn deren Beine zulassen. Baumann jedenfalls hofft, dass sich die Konkurrenz nicht einig ist und er einen Überraschungs-Angriff durchbringt. "Wenn sich die anderen beharken, kann viel passieren. Gerade hinten raus bin ich stärker, mein alter Körper braucht wohl Schwung." Den sollte er auf dem 206 Kilometer langen Rundkurs zur Genüge holen können.
Die Form des Ur-Krostitzer-Giant-Quartetts passt offenbar zumindest. Am vergangenen Wochenende grasten die Herren so ziemlich alles ab, was möglich war. Johannes Heider gewann den sächsischen Klassiker Rund um das Muldental, Matthias Friedemann landete auf Rang drei, direkt dahinter wiederum querte Stefan Gaebel die Ziellinie. Und Eric Baumann? Der triumphierte beim sogenannten Derny-Rennen in Gera. Dabei folgen die Fahrer jeweils ihrem eigenen Moped-Piloten als Tempomacher. Für den Capitano war das "eine schöne Abwechslung" - und eine erfolgreiche Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaft.
Ob André Greipel deswegen wirklich die Knie schlackern, lässt sich am Sonntag mitverfolgen. Renzo Wernicke nimmt nach so viel Schönfärberei lieber das Tempo raus. "Normalerweise sind die Jungs im Finale fünf km/h schneller als wir. Das sind Welten im Radsport." Vielleicht präsentiert sich Eric Baumann ja als Wanderer zwischen den Welten.
Das hr-Fernsehen überträgt die entscheidende Phase des Rennens am Sonntag zwischen 12 und 14 Uhr live.